Ein Archiv des Archivs
Ein Künstler arbeitet im Depot des Stadtmuseums Tübingen. Wochenlang erkundet er die Räume und Gänge, zeichnet ausgewählte Regale und entdeckt eine faszinierende Ordnung der Dinge, der bisher niemand Beachtung geschenkt hat: Es sind weniger die gehorteten Objekte im Regal, die ihn fesseln, als vielmehr deren Überstände, die Reste der Dinge also, die nicht ganz passend gemacht werden konnten für den gleichmäßigen Takt der Regalreihen.
Die im Depot angefertigten Zeichnungen der Körper außerhalb der Ordnung bilden die Grundlage für die weitere Arbeit im Atelier. Sie werden auf großen Papierbögen, jeweils eine ausgewählte Regaleinheit darstellend, dreidimensional umgesetzt. So wird sichtbar, was man im Depot nicht wahrgenommen hat: Die sich nun aus der ebenen Fläche des Papiers hervordrängenden Objektteile - man erkennt eine Türklinke, dort ein Stück Weidenkorb, hier die schräge Kante einer Archivschachtel - stellen dabei nicht die Unordnung des Sacharchivs dar, sondern belegen in ironischer Weise gleichermaßen die schlichtenden Versuche des Menschen wie die Widerspenstigkeit der Dinge.
Der Titel "Ein Archiv des Archivs" stammt von Christine Heidemann und ist dem Katalog "Depot | Herbert Stattler, Kunst im Dialog mit dem Stadtmuseum" entnommen, der anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Stadtmuseum Tübingen vom 18. September bis 4. Oktober 2009 erschien. Die Abbildungen der Zeichnungen und Papierobjekte stammen von Peter Neumann. |
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